Alkohol in Schweden ist teuer und aufgrund des historischen Alkoholmissbrauchs zudem streng reguliert. Wer das erste Mal einkauft oder im Restaurant ein Bier bestellt, staunt schnell über die Preise und ungewohnten Regeln.
Gängige Preise
Zumindest das Lättöl (Leichtbier mit bis zu 2,25 %) ist dank der Befreiung von der Alkoholsteuer einigermaßen preisgünstig. Die 330-ml-Dose gibt es im Supermarkt für etwa 7 bis 9 Kronen. Möchte man hingegen ein „richtiges“ Bier oder ein Glas Wein zum Essen bestellen, sollte man sich auf durchaus dreistellige Beträge einstellen.
| Getränk | Literpreis ab |
|---|---|
| Lättöl mit 2,25 % | 14 kr |
| Folksöl mit 3,5 % | 20 kr |
| Starköl mit > 5 % | 28 kr |
| Wein | 70 kr |
| Likör (15 %) | 270 kr |
| Spirituosen mit > 35 % | 300 kr |
| Spirituosen mit > 40 % | 330 kr |
Erwerb und Konsum
Während der eigentliche Konsum von Alkohol keinen Einschränkungen unterliegt, ist der Erwerb und auch die Überlassung durch das Alkohollag (Alkoholgesetz) strikt geregelt:
- Für Getränke mit weniger als 2,25 % gibt es zwar keine Altersgrenze, die meisten Geschäfte verkaufen diese dennoch nur an volljährige Personen.
- Somit ist in der Praxis für alles bis zu 3,5 % ein Mindestalter von 18 Jahren Pflicht.
- Für den Zugriff auf das volle Sortiment im Systembolaget muss man zwei weitere Jahre warten, hier wird man erst ab 20 Jahren bedient.

Alkohol kaufen – Systembolaget
Getränke bis zur magischen Grenze von 3,5 Volumenprozent sind im normalen Supermarkt erhältlich. Das Angebot beschränkt sich entsprechend auf „leichtes“ Bier, sowie diverse alkoholfreie oder nahezu alkoholfreie Getränke in Form von Wein oder Cider.
Darf es etwas Stärkeres sein oder ist der Kochwein alle, ist ein Besuch im nächsten Systembolaget notwendig. Die etwa 450 im Land verteilten, staatlich geführten Geschäftsstellen überbieten mit ihrer gigantischen Auswahl den typischen deutschen Getränke- oder Supermarkt.
Aktuell sind über 25.000 Produkte gelistet, davon etwa 15.000 Sorten Wein, 4.100 verschiedene Biere und mehr als 5.000 Variationen an Gin, Whisky, Rum und anderen Spirituosen. Was nicht direkt im jeweiligen Laden steht, wird auf Wunsch nachbestellt und ist innerhalb weniger Tage zur Abholung bereit oder lässt sich gegen Aufpreis auch nach Hause oder an eine Abholstelle liefern.
Wird man vom Personal als unter 25 Jahren eingeschätzt und kann sich nicht ausweisen oder wirkt bereits angetrunken, wird einem der Kauf üblicherweise verwehrt. Entgegen normalen Supermärkten ist der Systembolaget sonntags dauerhaft und samstags ab dem späteren Nachmittag geschlossen.
Promillegrenze im Auto und Boot
Ob zur See oder an Land: Die offizielle Fahruntauglichkeit beginnt in Schweden bei 0,2 Promille und damit eventuell bereits nach dem ersten Bier oder einem Glas Wein.
Wird man wegen „rattfylleri“ (Trunkenheit am Steuer) erwischt, drohen an das Einkommen angepasste Geldstrafen oder gar eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten. Liegt der gemessene Wert über einem Promille (grovt rattfylleri), kann die Freiheitsstrafe wegen erhöhter Schwere auf zwei Jahre ansteigen.
Import aus der EU
Unter folgenden Umständen darf Alkohol aus einem EU-Land nach Schweden eingeführt werden:
- Du bist mindestens 20 Jahre alt.
- Du transportierst den Alkohol selbst.
- Der Alkohol ist zum persönlichen Konsum oder für die (engste) Familie (selber Haushalt) bestimmt.
Werden diese Bestimmungen eingehalten, erlaubt der schwedische Zoll üblicherweise:
- 10 Liter Schnaps
- 90 Liter Wein
- 20 Liter Starkwein
- 110 Liter Bier

Liegt der Verdacht nahe, dass die Getränke nicht für den persönlichen Konsum gedacht sind, kann der Zoll auch diese Freimengen hinterfragen. So sind etwa 80 Liter Bier (pro Person) für einen Wochenendtrip nach Småland eher fragwürdig, außer man kann sich überzeugend als Alkoholiker outen. Der Alkohol wird beschlagnahmt und es kommt zu einer Anzeige wegen Schmuggels, die bei kleineren Mengen mit einer Geldstrafe endet.
Umgekehrt sind aber auch höhere Mengen möglich, wenn man zum Beispiel nachweislich für die kommende, eigene Hochzeit mit 100 geladenen Gästen eingekauft hat.
Definitiv verboten ist der Import zum Wiederverkauf und als Geschenke für Freunde oder Bekannte, da diese nicht zur Familie gehören. In diesem Fall deklariert man die Ware besser für den Eigenkonsum …
Import außerhalb der EU
Bringt man Alkohol aus einem Nicht-EU-Staat mit, sinken die Freigrenzen drastisch. Erlaubt ist lediglich:
- 1 Liter Schnaps (alles über 22 %)
- 4 Liter Wein (bis 14 %)
- 16 Liter Bier
Zudem muss man sich mindestens 20 Stunden außer Landes aufgehalten haben oder per Flieger eingereist sein.
Bordershops
Wohin fährt der Schwede, wenn er günstig sein Lieblingsbier kaufen möchte? Unter anderem zu einem der BorderShops in Puttgarden oder Rostock. Hierhin gibt es sogar spezielle Busreisen, etwa als Tagestour von Halmstad für etwa 850 kr mit maximal 140 kg „Freigepäck“. Bei einer möglichen Ersparnis im Bereich von 30-50 % kann sich solch ein Ausflug durchaus lohnen.
| Systembolaget | Borderstore Rostock | |
|---|---|---|
| Pripps Blå 5,0 % | 30 kr | 16 kr |
| Norrlands Guld Export 5,3% | 38 kr | 14 kr |
| Havana Club Anejo Especial 37,5% | 407 kr | 264 kr |
| Bombay Sapphire London Dry Gin 40% | 482 kr | 295 kr |
| Jägermeister 35% | 441 kr | 217 kr |
| Somersby Pear 4,5% | 47 kr | 24 kr |
Da in Deutschland üblicherweise ein Pfand anfällt, muss beim Kauf im BorderShop zusätzlich eine Exporterklärung unterzeichnet werden. Die Waren dürfen danach nicht mehr in Deutschland konsumiert oder als Leergut zurückgegeben werden.
Kommt man mit dem normalen deutschen Sortiment zurecht, ist es vermutlich trotz Pfand günstiger, den BorderShop zu ignorieren und einfach ein paar Kilometer mehr bis zum nächsten normalen Super- oder Getränkemarkt zu fahren.
Alkoholtourismus per Fähre
Eine weitere Alternative ist das ansonsten ebenfalls unattraktiv teure Dänemark. So sieht man zum Beispiel auf der Fährverbindung Göteborg – Frederikshavn erstaunlich viele Personen mit einer Sackkarre als „Handgepäck“. Am frühen Morgen geht die Fahrt los, dann zum Landgang kurz in den Supermarkt und abends randvoll bepackt zurück. Bei größeren Mengen sind auch die Ticketpreise von etwa 40 Euro wieder kompensiert.
